Jedes Stück für 1,50 Euro

Veröffentlicht am 27.02.2017
Schon zehn Minuten vor der Öffnung des Rot-Kreuz-Ladens drängelten sich Interessierte vor der Eingangstür. (Quelle: www.onetz.de)

Amberg erlebte am Donnerstag eine Premiere. Der Rot-Kreuz-Laden setzte ein Signal gegen die Wegwerf-Gesellschaft und bot erstmals sämtliche Kleidungsstücke für 1,50 Euro an. Der Andrang war groß und das Staunen auch.

Kaum öffnete die Leiterin Andrea Knipp die Türen, füllte sich das Geschäft innerhalb von Minuten. Am Donnerstag konnte jedes Kleidungsstück für 1,50 Euro gekauft werden. "Der Landesverband des Roten Kreuzes hat mich gefragt, ob ich am Tag der Läden teilnehmen möchte und da war ich natürlich gleich dabei", sagt die 41-Jährige. Andrea Knipp hat die Einrichtung im November in Eigeninitiative aufgebaut und betreibt sie seither hauptberuflich. Die Sortierung der Ware erledigte sie im Januar zusammen mit ihren ehrenamtlichen Helfern in 140 Stunden. Der Rot-Kreuz-Laden funktioniert wie ein Second-Hand-Shop - der einzige Unterschied: Der Erlös geht an das Bayerische Rote Kreuz.

Als vollwertiger Kunde

Warum das BRK die gespendete Ware verkauft, erklärt dessen Kreisgeschäftsführer Björn Heinrich so: "Nach einigen Jahren Erfahrung mit Bedürftigen haben wir festgestellt, dass Menschen keine Almosen erhalten wollen. Wer hier einkauft, kann sich als vollwertiger Kunde fühlen." Es gehe aber nicht nur um die Menschenwürde. Früher gab es einen Bedürftigen-Schein, der vom Amt ausgestellt wurde und Voraussetzung für den Einkauf war. Der bürokratische Aufwand war groß und nicht jeder, der Sozialhilfe bezog, hatte Anspruch darauf, hier einzukaufen.
Mit dem Erlös der Waren werden auch die Unkosten für den Laden finanziert. Für einen Second-Hand-Shop müsse schließlich auch Miete gezahlt werden. Aber nicht nur Hilfsbedürftige kaufen beim Roten Kreuz. Die 31-jährige Alleinerziehende Sandra (alle Namen geändert) sucht Spielsachen für ihre Kinder. Markus (32) arbeitet in Teilzeit und muss seine Großfamilie ernähren. Das Ehepaar Maria (58) und Hubert (60) versucht schon seit langem nachhaltig zu leben. Die beiden besitzen ein Haus, gehen arbeiten und könnten sich auch Neuware leisten. Sie wollen aber der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken, indem sie auch zu Hause alles reparieren. "Das ist ja wie neu! Schau, Schatz, das ist eine Jeans von Mac", ruft Maria ihrem Mann zu.

Lieber Geld für Essen

Anders ist es bei Magdalena und Hermann, beide 50 Jahre, beide in Vollzeit beschäftigt: "Lieber geben wir Geld für gutes Essen aus. Aber die Schulden vom Haus und die Finanzierung von zwei Autos zwingen uns dazu, im Second-Hand-Shop Kleidung zu kaufen." Ware aus den BRK-Altkleider-Containern wird hier übrigens nicht verkauft. Da würde die Aussortierung zu viel Zeit in Anspruch nehmen. (Angemerkt)

Modisch einkleidenGeöffnet ist der Rot-Kreuz-Laden am Amselweg 30 jeweils Montag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und jeden 1. und 2. Dienstag im Monat von 14 bis 18 Uhr.
"Gerne würde ich den Laden öfter aufmachen, nur leider fehlen mir dazu die ehrenamtlichen Mitarbeiter", bedauerte Andrea Knipp. Bei Interesse kann sich jeder persönlich im Laden vorstellen oder sich telefonisch unter 09621/47 45 0 anmelden.

 

Quelle: www.onetz.de

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